Legends in Archery – Frank Eichholtz

Legends in Archery by Peter O. Stecher

Legends in Archery by Peter O. Stecher

Legends in Archery – Frank Eichholtz

Legends in Archery - Frank Eicholz, Peter O. Stecher

Legends in Archery – Frank Eicholz, Schiffer Publishing, Vorderegger Bogensport-Verlag,  Peter O. Stecher

Einige für uns heutige Bogenschützen selbstverständliche Technologien und Materialien sind gar nicht so alt. Ein gutes Beispiel dafür ist der Einsatz von Glasfiber im Bogenbau. Immer schon hatten sich Schützen und Bogenmacher ihre Köpfe über die Haltbarkeit der oft allzu zerbrechlichen Bögen gemacht. Ein guter, ausgereizter, optimal arbeitender Holzbogen gleicht einem Formel 1 Rennwagen. Es sind nur geringe Reserven an Material und somit Bruchsicherung vorhanden und Überbeanspruchung oder auch Temperaturschwankungen können leicht zu einem Bogenbruch führen. Und natürlich sind es die Schnellen, die Schlanken, die Lieblingsbogen der Schützen die zuerst brechen. Ein so genannter „overbuilt“ Bogen mit viel überflüssigem Holz dran und Reserven in der Auszugslänge schießt sich nicht so fein und schnell aber er wird einfacher zu meistern sein und in der Regel länger halten.
Die alten Turnierschützen versuchten, soweit möglich, zwei oder mehrere identische Bögen (99% Eibe) zu besitzen um im Falle eines Bruchs mit dem „Schwesternbogen“ ein Turnier zu Ende bringen zu können. Die Bögen wurden abwechselnd geschossen um die Leistung und Eigenschaften möglichst gleich zu halten.

Vom Sehnenbacking der nordamerikanischen Indianer über Rohhautbackings, Seiden- und anderen Textilbelägen über Presspapierbackings wie Fortisan bis zur heutigen Bogentechnologie mit Glasfiber und Carbon war der Weg lang. Jedoch das Prinzip ist beim Glasfiber das gleiche wie beim schon jahrtausendlang bewährten, alten Sehnenbacking: widerstandsfähige, zugbelastbare Fasern werden mit einem Kleber zu einem, den Bogen vor Bruch schützenden, Belag verarbeitet. Wie ein Sehnenbacking erhöht auch ein Glasfiberbelag das Zuggewicht eines Bogens. Andere Backings, wie Rohhaut oder Textilbeläge dienen nur als Schutz gegen mechanische Einflüsse und machen einen Bogen nicht effizienter. Sie erhöhen das Zuggewicht eines Bogens kaum.

Ursprünglich wurden nur Backings angebracht, erst später auch Facings. Auch waren anfänglich nicht alle Glasfibersorten gleich gut für beide Seiten des Bogens geeignet.

Ich besitze alte Howard Hill – Bogen aus den 50er und 60er Jahren. Diese Bambus-Laminat-Bogen wurden beispielsweise vorne mit gewobenem „Pantherglass“ belegt, dann getillert und erst danach wurde als „Facing“ hinten lineares Glasfiber aufgebracht. Die verschiedenen Glasfiberarten hatten unterschiedliche Eigenschaften. Gewisse Sorten waren mehr für Zugbeanspruchungen, andere eher für Druckbelastungen geeignet. Heutige glasfiberlaminierte Bögen könne man, ohne dass sie Schaden nehmen, aufgespannt lassen – das wird zumindest oft behauptet. Ich spanne meine immer ab, besser ist das allemal.

Unseren modernen, sehr haltbaren, konstant schießenden, nicht ermüdenden Bogen verdanken wir einem innovativen Mann aus Kalifornien namens Frank Eichholtz. In den frühen 1940er Jahren hatte Frank bereits reichlich Erfahrung im Bogenbau. Er erkannte dass, der Composit-Bogen der alten Türken und anderer asiatischer Vöker, einige Vorteile gegenüber vielen anderen Bogentypen hatte. Eichholtz experimentierte mit den verschiedensten Materialien, beispielsweise mit „Lamicoid“ einem Kunststoff der für die Herstellung von Firmenschildern verwendet wurde. Dieses Material bewährte sich ganz gut.
Der 2. Weltkrieg brachte viele neue Technologien und Werkstoffe. Ich denke man würde staunen wie viele der Dinge die wir täglich benutzen oder Werkstoffe, ihre Ursprünge in Kriegen haben.
In San Diego, Kalifornien war der Sitz der in Glasfibertechnologie weltweit führenden Firma „Narmco“. Es wurden dort gewobene Fiberglasstreifen unter dem Namen „Conolon“ hergestellt. Auch Angelruten wurden aus dem neuen Werkstoff gefertigt. Eichholtz klebte dieses neue Conolon-Fiberglas als Backing auf einige seiner Bogen, innen verwendete er „Lamicoid“ als Facing. Ein damals sehr bekannter Bogenschütze, Mr. Henry Drake verwendete  einen so „getunten“ 50 Pfund Eichholtz-Composite-Bogen zum Flightschießen. Die durchschnittliche Flight-Schussweite mit herkömmlichen Bögen bis zu 100 Pfund Zuggewicht war damals um die 490 Yards. Mr. Drake schoss mit dem Eichholtz 50 Pfünder über 600 Yards. Das stellte einen Quantensprung im Bogensport dar.
Viele, wenn nicht die Mehrzahl aller heutigen massengefertigten traditionellen Bogen bestehen aus zwei Schichten Glasfiber, dazwischen befinden sich Laminate aus verleimtem Holz. Häufig ist dieses Holz Ahorn, oft Bergahorn.
Mr. Eichholtz entdeckte dieses Holz für seine Compositebögen. Er verwendete ursprünglich hautsächlich das klassische Bogenholz Eibe als Kern. Eibe aber hielt Scherkräfte und die Hitze bei der Verleimung mit dem Glasfiber schlecht aus. Nach vielen Experimenten war Frank vom Ahorn als Kernholz überzeugt. Ahorn war billig, reichlich vorhanden, mechanisch ausreichend belastbar und gut zu verleimen. Frank Eichholtz begann seine modernen Bögen kommerziell zu vermarkten und die Schützen waren begeistert von seinen Produkten die eine gleich bleibende Wurfleistung und einen unerhörten Wirkungsgrad boten.
Howard Hill, damals schon ein Star der Bogenszene, und selber ein findiger Bogenbauer, hatte den Bambus als Bogenholz (wieder)entdeckt. Er hörte von Frank’s revolutionärer Bogenbau-Methode und bat Frank einige seiner persönlichen Bögen mit Fiberglas zu belegen. Howard war vom Resultat begeistert, das war es wonach auch er schon lange gesucht hatte – Geschwindigkeit und konstante Leistung. Eichholtz lehrte Hill die neue Methode und versorgte in der Folge Howard Hill viele Jahre mit Bogenbaumaterial.
Die Nachfrage nach Frank Eichholtz’ Bögen und dem „Eichholtz-Glass“ wuchs in den 1950er Jahren bundesweit rapide an. Ein Freund, George Gordon, ein Hersteller von Glasfiberschildern, schloss sich Frank’s Geschäft an und gemeinsam verkauften sie bald weltweit Bogenbau-Glasfiber. Alles lief wunderbar, bis Eichholtz sich eine schlimme Infektion einfing und einige Wochen krank im Bett zubringen musste. Während dieser Zeit verkaufte Gordon, so glaubte Frank, anscheinend eine größere Menge an schadhaftem Glasfiber, das Geschäft stagnierte, brach völlig zusammen. Eichholtz war verbittert und vergaß das Desaster sein Leben lang nicht.
Bald darauf tat Frank sich mit einem Mann aus Costa Mesa, Kalifornien zusammen und begann sein Glasfiber-Geschäft neu aufzubauen. Er entwickelte Glasfiberpfeile, die Pfeile wurden später als „Microflite“ – Pfeile bekannt, allerdings konnte Eichholtz auch daraus kaum Gewinne erzielen. Wieder suchte ihn das Pech heim. Sein Partner starb bei einem Autounfall, die Patente auf den „Microflite“-Schaft waren nicht ordnungsgemäß gesichert gewesen und Frank’s vielversprechendes Geschäft war erneut ruiniert.
„Microflite“ Pfeile und Schäfte wurden, allerdings von einem anderen Hersteller in den 1960er Jahren weltweit in großen Mengen verkauft – ich denke man kann sich Frank’s Ärger gut vorstellen. Ich besitze einige dieser „Microflite“ Pfeile, sie waren hellbraun, mit einem Spinecode versehen und zur Nocke hin getapert. Bob Swinehart und Bill Negley z.B. verwendeten diese widerstandsfähigen Schäfte auf ihren Safaris.

„Bowlock“ nannte Frank Eichholtz eine weitere seiner einzigartigen, innovativen Erfindungen. Es handelte sich um ein einfaches „Release“. Wir kennen heute alle die mechanischen Ablasshilfen der Compoundschützen. Zangenartige oder mittels einer Schnur arbeitende Abzugsmechanismen die ein sauberes Release trotz spitzem Sehnenwinkel garantieren sollen. Frank’s Release arbeitete nicht mechanisch. Die Bogensehne wurde in eine Art Haken mit ergonomischem Griff eingehängt und durch das Lösen des Daumens freigegeben. Dadurch war es auch bei N.F.A.A. Turnieren zugelassen und wurde gern verwendet.

Eine große Zahl an Schützen und Bogenjägern stiegen in den 1970ern auf den neu erfundenen, effektiveren Compoundbogen um. Viele traditionelle Bogenbauer gaben ihre Geschäfte auf, Holzpfeile wurden von Alu-, Glasfiber- und Carbonpfeilen verdrängt. Erst in den späten 1980ern besann man sich international wieder des Langbogens und des Recurves. In dieser Zeit erst, wurde eigentlich der Begriff „Traditional“ geprägt um eine Unterscheidung zum Compoundbogen-Sport und anderem High-Tech-Gerät zu ermöglichen.
Frank Eichholtz blieb seiner traditionellen aber innovativen  Linie treu. Er baute, als Antwort auf den Compound, sehr schnelle oft mit modernsten Materialien wie Graphit und Bor, laminierte Recurvebögen. Die Wurfarme waren mit besonders ausgeprägten Recurves gebaut und sollten den Compounds nicht nachstehen. Ich hatte Kontakt zu Besitzern solcher Eichholtz – Bögen, einhellig wurden diesen Recurves hervorragende Eigenschaften bestätigt.

Frank Eichholtz verstarb 1983. Dieser Mann hatte maßgeblichen Einfluss auf die Bogentechnologie unserer Zeit. Er war der Erste der überhaupt Kunststoffe im Bogenbau verwendete; der Ahornlaminate zu Bogen verarbeitete; der Glasfiber als Backing und Facing verwendete; der brauchbare Glasfiberpfeile entwickelte; der das erste „Center-Shot-Take-Down“ Griffstück erzeugte und der Erste der ein funktionierendes Sehnenrelease erfand.
Trotzdem ist Mr. Eichholtz den Bogenschützen heute weitgehend unbekannt.
Ich glaube dass Franks Glasfiber die letzte, den Bogensport und die Leistung des Bogens messbar revolutionierende, Neuerung war.  Niemand den ich kenne kann mir beispielsweise die Vorteile des heute so schicken Einsatzes von Carbon im Bogenbau genau nennen, oder eine Leistungssteigerung belegen.

Wenn wir demnächst einen mit Glasfiber laminierten Recurve- oder Langbogen in die Hand nehmen, sollten wir kurz ehrfürchtig an den wahrhaft genialen Erfinder dieser guten Bögen denken.

Quellen:
Fred Anderson, The Traditional Way
Keith C. Schuyler, Archery

Legends in Archery – Abenteurer mit Bogen und Pfeil, bei Vorderegger Bogensportverlag bestellen: http://www.bogensportverlag.com/buecher/legends-in-archery/index.php

Legends in Archery – Adventurers with Bow and Arrow, order at Kustom King Archery, USA:  http://www.kustomkingarchery.com/Legends-in-Archery-Adventurers-with-Bow-and-Arrow/productinfo/4509/

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