Der Augenbrunnen / Augustinerbrunnen in Lockenhaus

Alt wie der Augenbrunn‘ ist ein geflügeltes Wort in Lockenhaus. Nur ältere Einwohner kennen den Ursprung dieser lokalen Redensart. Von der Durchzugsstraße, der Wienerstraße in Lockenhaus, mündet der Augenbrunnenweg in einen Hohlweg in Richtung Hochstraß, bald führt der Weg an der Ruine einer kleinen Kapelle vorbei. Möglich ist auch der Zugang über Hochstraß, über die Lockenhauser Höhe, wo die Kapelle über eine verwilderte Wiese und ein kurzes Waldstück erreichbar ist.

Die Augenbrunnenkapelle ist heute von Holundersträuchern, Eschen und Nussbäumen überwuchert. Das eingestürzte Gewölbe zeigt sich malerischen bemoost, und im Sommer sprießen verschiedene Kräuter und Blumen aus den Spalten und Ritzen der verfallenen Ziegelmauern.

Augenbrunnen Lockenhaus Michael Loibl

Augenbrunnen Lockenhaus Michael Loibl

Wie alt die Quelle mit dem Namen Augenbrunnen wirklich ist, kann nicht mehr festgestellt werden. Der örtlichen Legende nach, wurde ihrem Wasser eine heilende Wirkung bei Augenleiden nachgesagt. Bis in die 1930er Jahre fanden jährlich zu Peter und Paul Bittprozessionen dorthin statt.

In seinem Buch „Die Geschichte der Herrschaft Lockenhaus“, zitiert Dr. Ägidius Josef Schermann, Janos Szily, der von 1775 bis 1799 als Bischof von Szombathely historisch forschte und Chroniken verfasste:

„Es besteht eine Kapelle bei der Quelle des hl. Augustin (die nach ihm benannt ist, da die Quelle in der Mitte der Kapelle hervorbricht) im Norden auf dem Berge. Sie ist gut gebaut, gewölbt, mit Ziegeln gedeckt und länglich und in gutem Zustande. Sie hat einen nicht konsekrierten Altar mit dem Gemälde des hl. Augustin. Sie hat keine Paramente, aber nach dem Feste des Heiligen ist dort jährlich eine hl. Messe und dazu werden die Paramente usw. aus der Kirche hingebracht. Sie wird vom Konvent erhalten und dieser hat sie 1731 restaurieren lassen und wird sie auch in Zukunft restaurieren. Sie kann 30 Personen aufnehmen.“

Zum Alter der Kapelle schrieb Dr. Schermann: „Wann sie gebaut wurde, ist unbekannt, aber jedenfalls erst im XVII. Jahrhundert, unter den Augustinern, weil sie dem hl. Augustin geweiht ist.“

Augustiner? Im März 1244 bildeten sich in der Toskana aus mehreren mönchischen Gruppen die Einsiedler des heiligen Augustinus. Im April 1256 veröffentlichte Papst Alexander IV. eine Bulle mit der er diese Einsiedler mit weiteren Gemeinschaften (den toskanischen Eremiten, den Janboniten, den Brictinensern und den Wilhelmiten) zu einer „großen Union“ zusammenschloss – den Augustiner-Eremiten. Nach den Dominikanern, Franziskanern und Karmeliten war so der vierte große Bettelorden des Mittelalters entstanden. Die Ordenstracht besteht aus einem schwarzen Habit, einem Ledergürtel und einer schwarzen Kapuze. Papst Johannes XXIII. ließ 1963 den Namenszusatz „Eremiten“ streichen, weil das eremitische Leben schon kurz nach der Gründung aufgehört hatte, ein Kennzeichen des Ordens zu sein.

Das Augustiner-Eremiten-Kloster Lockenhaus in der Marktgemeinde Lockenhaus im Bezirk Oberpullendorf im Burgenland befindet sich am Hauptplatz und ist mit der Pfarr- und Wallfahrtskirche Lockenhaus verbunden.

Mehr Wissenswertes über die Augenbrunnenkapelle, auch abweichende Informationen zur Lage der Quelle, erfährt man aus den Schriften von Pfarrer Julius Bertalanffy, der von 1874 bis 1905 lebte und von 1862 bis 1870 Kaplan in Lockenhaus war, er schrieb:

„Aus dem XVII. Jahrhundert stammt die St. Augustin-Kapelle, deren Altarbild von keinem schlechten Maler stammt und unter dem Altartisch schildert eine Holzschnitzerei die armen Seelen im Fegefeuer. Unmittelbar neben der Tür entsprang eine Quelle, deren Wasser das Volk lange als Augenwasser benützte. Am Ende der fünfziger Jahre ließ Graf Strachwitz unweit der Kapelle, nach Eisenerz forschend, einen Schacht bohren, der später zusammenfiel. Infolge dieser Bohrung versiegte die Quelle ganz. Am Feste des hl. Augustin ist dort jährlich eine hl. Messe.“

Lange schon ist die Quelle versiegt, die Kapelle verfallen und die Wege dorthin sind verwildert. Dieser Platz zeigt uns vielleicht die Vergänglichkeit menschlicher Werke und die Kraft der Natur, mit der sie alles wiedererobern kann.

In Lockenhaus besteht die Idee und Initiative, die Augenbrunnenkapelle vorsichtig freizulegen und sie als Ruine und Sehenswürdigkeit zu erhalten. Vielleicht beginnt dann die Quelle wieder zu fließen und es kommen wieder Menschen, die an die Wirkung des „Augenwassers“ glauben und die Legende vom Augenbrunnen beleben.

Quellen:

Dr. Ägidius Josef Schermann, „Die Geschichte der Herrschaft Lockenhaus“

Maria Csitkovits, Lockenhaus

Franz Zach, Lockenhaus

Der Augenbrunnen / Geocoaching

Wikipedia

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