TRIBUTE TO BYRON FERGUSON

Byron Ferguson – Master of the Longbow, Hartselle, Alabama

Photos by Herwig Art, 2010.

Music Track:

Daddy Long Legs: „Mornin‘, Noon & Nite“

ATA, Archery Trade Association, die größte Bogensport-Händlermesse der Welt 2011 – Byron Ferguson und Mike Goodman, ein Freund und Partner Byrons, gehen durch die riesigen Hallen des Convention Centers in Indianapolis, Indiana, USA. Byron trägt seine „Berufskleidung“, den Schlapphut, das Bush Jacket mit den Sponsoren-Aufnähern, und eine Khakihose. Ein kleiner Bub sieht Byron und fragt höflich, ob er ein Autogramm auf seine Baseballkappe bekommen könnte. Byron signiert die Kappe und fragt den Jungen ob er auch ein „Longbowguy“ sei. Der Bub sagt, er schieße noch Compound, aber seit er Mr. Ferguson im History Channel, im Fernsehen, gesehen hätte, würde er sich einen Langbogen und einen Rückenköcher wünschen. Byron lacht und klopft dem Jungen auf die Schulter, gibt ihm einen signierten Pfeil – der Junge strahlt und läuft zu seinem Vater zurück. Auf dem Weg zum Bear Archery Stand, wo Byron täglich eine Stunde Autogramme gibt, halten ihn viele Menschen auf, fragen den „Master of the Longbow“, ob sie ein Foto mit ihm machen dürften, gratulieren ihm zu seinen Shows … fragen Ihn wie er das denn schaffe, eine BB-Kugel zu treffen, einen Pfeil im Flug…ein Aspirin. Byron antwortet humorig und bescheiden, lacht viel und hat für alle Zeit und Worte. Auf die Frage, warum er so kleine Ziele treffen könne, sagt er: „…training helps a lot …“. Er ist ein Botschafter des traditionellen Bogenschießens – weltweit mittlerweilen.
Byron Ferguson ist wohl weltweit der bekannteste traditionelle Bogenschütze, der populärste professionelle Kunstschütze. Wie seinerzeit Howard Hill (1899-1975), lebt Byron von Auftritten in Shows und vom Verkauf von Produkten die seinen Namen tragen. Wie man an seiner Jacke sehen kann, wird er von einigen namhaften Firmen gesponsert und hat Verträge mit klingenden Namen in der Bogenbranche: Bear Archery, Easton, Gateway, Muzzy, Schrade, Lumenok und anderen. Byron betreibt eine eigene Film-Produktionsfirma, Byron Ferguson Productions. Seine Videos und DVDs produziert er selber. Einige der Filme entstanden auf der Goodman Ranch in Tennessee, wo er auch seine „Bare Bow Archery School“ zweimal im Jahr hält. Ich war im Jänner dort, eine wunderschöne Anlage und ein Ort der Ruhe ist diese Ranch, ungefähr 100 km von Memphis Tennessee entfernt. Es befinden sich Seen zum Fischen auf dem wildreichen Ranchland. Bogen- und Gewehrjagden werden ebenfalls angeboten.
Mike Goodman, Peter O. Stecher, and Byron Ferguson at the Goodman Ranch in Tennessee, Photo by Peter O. Stecher, 2011.

Mike Goodman, Peter O. Stecher, and Byron Ferguson at the Goodman Ranch in Tennessee, Photo by Peter O. Stecher, 2011.

Byron wohnt mit seiner Frau Wanda in Hartselle, Alabama, in einem stilvollen Holzhaus, mit offenem Kamin, Fotos und vielen Trophäen. Das Haus daneben gehört Byrons Sohn Zachary, er baut die Ferguson Z-Bows. Früher fertigte Byron diese Bögen selber an, jetzt promotet er sie und widmet sich ganz dem „Showbusiness“. Er zelebriert jährlich über 100 Auftritte, die meisten in den USA auf Shooting Shows, Messen und bei großen Turnieren. Ständig korrespondiert er mit Firmen und Medienleuten, handelt Verträge mit TV-Sendern aus, er ist fleißig und ein Profi. Ich hatte die Ehre, Byrons Haus zu besuchen und Zachary und seine Familie kennenzulernen. Paxton, der Enkel Byrons, ist zugleich sein größter Fan. Er ist 4 Jahre alt und wünscht sich ein „Poppa-Outfit“. Byron sucht noch nach einem Filzhut in Paxtons Größe. Wanda, Byrons Frau und Showassistentin macht den Versand, DVDs, Videos, Ferguson Z-Bows, Autogramme verschickt sie weltweit. Nebenher fertigt sie tolle Bogensehnen für die Ferguson-Z-Bows.
Mit 12 Jahren arbeitete Byron als Maurer um das Geld für seinen ersten Bogen, einen Recurve, aufzutreiben. Heute verwendet er ausschließlich den Langbogen. Als Kind hatte ihn der alte Meister Howard Hill, der wie Byron in Alabama aufwuchs, nachhaltig beeindruckt. Byron weiß viele Anekdoten über Hill, er hat mit Leuten gesprochen die Howard Hill kannten, unter anderem, mit einem von Hills Show-Assistenten. Dieser Mann sagte, dass Hill eine besondere Gabe hatte, nämlich sich blitzschnell auf einen Punkt konzentrieren zu können und stecknadelklein auf seine Ziele zu fokussieren. Mr. Ferguson hat diese Gabe auch. Anlässlich einer TV-Show wurde sein Sehvermögen, wie schnell er einen Punkt erfassen kann, mittels modernster Technik, medizinisch gemessen, auch wie lange diese Informationen brauchen um in den betreffenden Teil seines Gehirns zu gelangen – Byron kann das ca. 8mal so schnell wie ein durchschnittlicher Proband.

Fergsuons Karriere als „Exibithion-Shooter und Werbeträger begann 1986. Er war damals schon ein unglaublich schneller, und treffsicherer Schütze, besonders auf bewegliche Ziele. In Alabama auf der Jagd waren Byron und ein Jagdfreund auf dem Rückweg zu ihrem Truck. Der Freund hatte panische Angst vor Schlangen. Just, als sie auf halbem Wege zum Truck waren, schlängelte eine Klapperschlange auf die zwei Bogenjäger zu. Der Freund erstarrte und seine Phobie kroch weiter hoch in ihm, er war wie paralysiert. Byron sah das, nockte behende und fließend einen Bluntpfeil und schoss der Klapperschlange durch den Kopf. Fergusons schneller, sicherer Schuss beeindruckte den „geretteten“ Jagdfreund so sehr, dass er die Kunde vom Wunderschützen Byron Ferguson und die „Klapperschlangen-Story“ überall erzählte; auf Messen und Turnieren. Ein Treestandhersteller wurde auf Byron aufmerksam und bot ihm an für ihn Treestands zu promoten, zu verkaufen. Byron sollte Tricks vorführen und dabei die Treestands verkaufen. Das machte der Langbogenmann und bekam so erstmals Geld fürs Bogenschießen. Schnell erkannte Byron, dass er mit seiner Kunstfertigkeit mit dem Bogen, leichter Geld verdienen konnte, als mit dem Verkauf von Treestands. Anfragen, Angebote für Shows und Auftritte folgten – seither kann man Byron Ferguson auf vielen Events in den USA, Kanada und auch in Europa sehen und bewundern. TV-Sender bringen regelmäßig Features mit Mr. Ferguson. Im März 2010 trat er in Graz, Österreich auf. Pro 7 drehte ein Galileo über Robin Hood-Film-Schüsse mit Byron. Er schaffte alle Schüsse. Ich war bei den Dreharbeiten und konnte beobachten, wie Byron den Galgen, ein Seil mit einem Sack dran, mit einem Jagdpfeil kappen sollte. Von 48 Meter Entfernung, mit dem ersten Schuss, ohne Einschießen, verfehlte Byron das Seil keine Handbreit – „höhenmäßig“ hatte er überhaupt kein Problem – er schoss den schweren Pfeil, mit einer 220gr. Muzzy „Phantom“-Jagdspitze, genau „auf Höhe“, in die Mitte des Galgenseils. Das beeindruckte mich sehr. Auf youtube ist dieser Clip zu finden.
In „Become the Arrow“, Byron Fergusons Buch schreibt er: „Wenn man richtig nachdenkt, so ist nur der allererste Pfeil im Leben, den wir mit einem Bogen auf ein Ziel schießen, wirklich instinktiv/intuitiv – denn bei jedem weiteren Schuss fließen Erkenntnisse und Erfahrungen, bewusst und unbewusst in unser Schießen ein.“ Das ist ein interessanter Gedanke, wenn man an endlose Diskussionen über „instinktiv-intuitiv“ denkt.
EXTREME MARKSMEN: BYRON FERGUSON

EXTREME MARKSMEN: BYRON FERGUSON

Byron schießt Alupfeile mit Naturbefiederung, auch Carbonpfeile. Er benutzt einen Rückenköcher, mit „Eingurt-Aufhängung“, wie Hill ihn trug und bekannt machte. Mit dem Rückenköcher ist ein flüssiger, harmonischer Bewegungsablauf möglich. Das ist beim Trickschießen, besonders auf bewegte Ziele, ein großer Vorteil. Ferguson verwendet keinerlei Visiere oder andere Zielhilfen. Einer von Byrons verblüffenden Tricks ist der „Münzenschuß“. Ein Assistent, meist Fergusons Frau Wanda, wirft einen Vierteldollar in die Luft und Byrons Bluntpfeil trifft die Münze. Man kann das auf Mr. Fergusons Video „Become the Arrow“ in Zeitlupe sehen. Einmal gelang es ihm acht geworfene Vierteldollarmünzen hintereinander zu treffen. Das Selbe macht Byron Ferguson mit Aspirintabletten. Ein weiterer Trick ist der „Kartentrick“ – eine Spielkarte wird, von der Seite, also da wo sie so stark wie ein Blatt Papier ist, in zwei Hälften geschossen. Mit Enkel Paxton drehte er zuletzt einen youtube-clip, Byron schoss Paxtons Pfeil aus der Luft, Volltreffer, eine unglaubliche Sache.
Howard Hills Philosophie: „If you want to become a good archer then you should learn the bow and let your body become an extension of the bow. If you want to become a great archer, you should let your body become the arrow“, setzt Byron Ferguson perfekt um. Wer ihn einmal schießen gesehen hat, der weiß, dass Byron Ferguson und sein Pfeil eins sind. Er benutzt eine Art von „Point-of-Aim-System“ und eine Form, einen Stil, die Byron aus Howard Hills Schießstil entwickelte.
 Man kann jedem traditionellen Bogenschützen und besonders Anfängern, nur empfehlen, Fergusons Buch „Become the Arrow“ zu lesen. Byron beschreibt dort seinen Stil, seine Art zu „Zielen“, zu trainieren, sein Equipment und vieles Wissenswertes mehr. Ein gutes Handbuch für alle Bogenschützen.

Im Rahmen eines Life-Auftritts in der Super People-Show in Tokio gab Byron seinen, wie er oft sagte, schwersten Schuss. Er musste seinen Pfeil durch einen wertvollen Diamantring schießen. Das Schwierige daran war, dass Ferguson den Schuss vorher nicht trainieren konnte; er wurde angekündigt vor laufender Kamera und dem Publikum – das Kunststück gelang…
Er war der erste Amerikaner der nach Europa eingeladen wurde um seine Kunststücke vorzuführen, seit Howard Hills Europatournee, vor über 40 Jahren. Als Byron auf der „National Game Fair“, einer Jagdmesse in Chateau Chambord auftrat nannte man ihn, nach dem Auftritt, „King of the Show“. Der Bogenzauberer aus Alabama verfügt über große Körperkraft, seine Performances schießt er mit 70 bis 72-Pfund Bögen. Ich habe einen seiner persönlichen Langbögen bekommen, einen alten Bogen, „Sweet Thang“ der Bogen hat 81 Pfund auf 28″ – ich schieße den Bogen kaum….
Byron Ferguson, so sagte er mir, er fand heraus, dass Bögen über 72 Pfund Zuggewicht nicht wirklich effizient sind was Kraftaufwand vs. Nutzen/Geschwindigkeit usw. betrifft; ausgenommen im speziellen Jagdgebrauch, wo extrem schwere Pfeile erforderlich sein können.
Ich bin sicher, wir werden von Mr. Ferguson noch einiges hören. Er ist auf dem Weg bekannter zu werden als alle Kunstschützen vor ihm, natürlich ist das heute im Zeitalter des Internet erheblich leichter. Auf der ATA im Jänner 2011, ergab sich eine Kooperation zwischen Byron Ferguson und Henry Bodnik, mit Bearpaw Products. Eine hochwertige „Byron Ferguson-Produktlinie“ soll im Juli auf der 13. Bogen- und Messermesse in Eisenbach präsentiert werden. Mr. Ferguson wird dort sein und schießen, signieren und Fragen beantworten. Erfreulich, dass wir deutschsprachigen Bogenfreunde in Eisenbach die Möglichkeit haben, den „Master of the Longbow“ bei der Arbeit zu beobachten.
TRIBUTE TO BYRON FERGUSON - Photos by Herwig Art, 2010

TRIBUTE TO BYRON FERGUSON – Photos by Herwig Art, 2010

 

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Über Bowman

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